Netzwerkveranstaltungen

Netzwerk Pflege Ostallgäu und Förderprogramm FEBP

Veranstaltungen

Das Netzwerk Pflege Ostallgäu ist ein regionaler Zusammenschluss von Akteurinnen und Akteuren aus Pflege, Beratung, Ehrenamt, Kommunen und weiteren Einrichtungen im Landkreis Ostallgäu. Ziel des Netzwerks ist es, die Versorgung und Unterstützung von Menschen mit Pflegebedarf sowie deren An- und Zugehörigen zu verbessern, Angebote besser zu verknüpfen und den fachlichen Austausch nachhaltig zu stärken. Im Rahmen dieses Netzwerks werden regelmäßig Netzwerk- und Fachveranstaltungen angeboten – etwa Austauschtreffen, Arbeitskreise, Schulungen und Pflegekonferenzen. Diese Veranstaltungen dienen der Vernetzung, Qualifizierung und Weiterentwicklung der regionalen Unterstützungsstrukturen.
Die Veranstaltungen gelten im Rahmen des Förderprogramms FEBP als förderfähig.

Terminübersicht:

DatumUhrzeitVeranstaltung
23.04.202614:00 – 16:00 UhrAustauschtreffen AUA § 45a SGB XI
18.06.2026wird noch bekannt gegeben5. Ostallgäuer Pflegekonferenz
23.07.202614:00 – 16:00 Uhr13. Netzwerktreffen FEBP
29.10.202611:00 – 13:00 UhrKoordinierungstreffen Bildungs- und Veranstaltungsplanung
29.10.202614:00 – 16:00 UhrAustauschtreffen „Beratung und Pflege“
26.11.202614:00 – 16:00 UhrAustauschtreffen QZ „Partizipation Menschen mit Demenz (MmD)“

Impulsgeber für eine sorgende Gemeinschaft mit dem Blick auf die Zukunft der Pflege

Die Ostallgäuer Pflegekonferenz

Die Ostallgäuer Pflegekonferenz gilt als erste im Allgäu und nach der Pflegekonferenz München als zweite in Bayern.

“Wie wollen wir älter werden und wie gestalten wir zukünftig das Zusammenleben in unseren Gemeinden im Ostallgäu?”

Ein entscheidender Faktor besteht darin, den vorrangigen Wunsch der Bürgerinnen und Bürger zu erfüllen, in ihrem Wohnort und ihrer vertrauten Umgebung verbleiben zu können, auch wenn ein Bedarf an Unterstützung oder Hilfestellung entsteht.
Regionale Pflegekonferenzen sind von zentraler Bedeutung, da sie eine Plattform für den Austausch von Best Practice bieten, die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern und den Wissenstransfer zwischen verschiedenen Akteuren erleichtern. Durch diese kollektiven Anstrengungen können die Pflegequalität, sowie die Versorgungssituation in unserem Landkreis nachhaltig verbessert werden. Insgesamt tragen regionale Pflegekonferenzen dazu bei, die Versorgungsstrukturen in der jeweiligen Region effizienter, bedarfsgerechter und zukunftsorientierter zu gestalten.

Die Ostallgäuer Pflegekonferenz spielt eine zentrale Rolle bei der Verbesserung und Weiterentwicklung der Pflegeversorgung in unserer Region. Ihr Zweck besteht darin, den Austausch zwischen Fachkräften, Verantwortlichen und Interessierten zu fördern, um gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen im Pflegebereich zu erarbeiten.

Die Zielgruppe umfasst Vertreter von Pflegeeinrichtungen und –diensten, von Kostenträgern, Vereinen, Quartieren und Gemeinden, ebenso wie von Beratungsstellen und medizinischem Fachpersonal. Die Bedeutung dieser Konferenz liegt darin, die Qualität der Pflege zu sichern, innovative Ansätze zu diskutieren und die Zusammenarbeit in der Region zu stärken – letztlich zum Wohle der Menschen, die auf gute Pflege angewiesen sind.

Die Ostallgäuer Pflegekonferenzen im Überblick

Bayern- und Allgäu weite Pionierveranstaltung:

Zur 1. Ostallgäuer Pflegekonferenz wurde vom Landkreis eingeladen. Sie gilt als erste im Allgäu und nach der Pflegekonferenz München als zweite in Bayern. Eingeladen waren Vertreter der Krankenhäuser, der Kranken- und Pflegekassen, der Pflegeheime, der ambulanten Pflegedienste und Sozialstationen, der Kontakt- und Fachstellen für Demenz und Pflege sowie Bürgermeister von Gemeinden mit einem Quartiersmanagement.

In Impulsvorträgen erhielten die Teilnehmenden Informationen über die sogenannte eingestreute Kurzzeitpflege (Martin Mose, Leiter Alten- und Pflegeheim Heilig-Geist-Stiftung Nesselwang), die Erfahrungen mit festen Kurzzeitpflegeplätzen im kreiseigenen Seniorenheim in Obergünzburg (Madita Lang, Landkreis Ostallgäu) sowie über die Situation im Krankenhaus (Andrea Lang, Leitung Pflege- und Sozialberatung Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren). Außerdem berichteten Direktor Bernd Ruppert und Abteilungsleiter Franz Nuber von der AOK-Direktion Kaufbeuren-Ostallgäu über die Sicht der Kranken- und Pflegekassen auf das Thema.
„Pflegende Angehörige sind unser wichtigster Pflegedienst"

Einig waren sich die Impulsgebenden sowie die restlichen Teilnehmenden in der anschließenden Diskussion, dass es angesichts des demografischen Wandels und des damit einhergehenden Anwuchses der Zahl pflegebedürftiger Personen im Ostallgäu eines deutlichen Ausbaus der Kurzzeitpflege bedürfe. Insbesondere um pflegenden Angehörigen eine dringend benötigte Auszeit gewähren zu können und die Nachsorge nach einem Krankenhausaufenthalt zu sichern.
Zinnecker: „Pflegende Angehörige benötigen auch hin und wieder einmal zwei bis drei Wochen Urlaub, um sich von der Pflege erholen zu können. Sie sind unser größter und wichtigster Pflegedienst“.
Es gebe zwar einen gesetzlichen Anspruch auf Kurzzeitpflege, jedoch könne dieser in vielen Fällen wegen des fehlenden Angebots nicht realisiert werden.

„Im Landkreis mangelt es an Kurzzeitpflege-Angeboten. Um uns auf den Weg zu machen und hier gemeinsam nach Lösungen zu suchen, veranstalten wir heute unsere erste Pflegekonferenz im Ostallgäu“, fasste Landrätin Maria Rita Zinnecker Ziel und Thema der Veranstaltung zusammen.

Der Landkreis geht voran und bietet Kurzzeitpflege-Plätze in den eigenen Heimen an

Der Landkreis habe im Senioren- und Pflegeheim Obergünzburg sechs feste Kurzzeitpflege-Plätze eingerichtet und plant das auch bei der Erweiterung und Modernisierung des Senioren- und Pflegeheims Waal, betonte Zinnecker weiter. Er könne dadurch die ständig steigenden Bedarfe aber nur teilweise decken.
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen, etwa wegen der derzeit nur bedingt wirtschaftlich tragfähigen Finanzierung von Kurzzeitpflegeangeboten und der angespannten Situation am Arbeitsmarkt zeigten sich in der Diskussion auch Entwicklungsmöglichkeiten. Insbesondere die Möglichkeiten der Kliniken im Landkreis einen Kurzzeitpflegebereich zu schaffen wurden diskutiert.

Der Landkreis Ostallgäu führt als einziger Landkreis Schwabens seit 2022 Pflegekonferenzen durch. Nachdem der Schwerpunkt im letzten Jahr die Kurzzeitpflege war, wird in der kommenden Konferenz das Augenmerk auf dem Thema „Sorgende Gemeinschaften“ liegen.

Die Sorgende Gemeinschaft ist eine neue Form eines gemeinsamen Handelns von Bürgern, Unternehmen und Verwaltung. Ziel ist es, konkrete Aufgaben des Miteinanders dort zu übernehmen, wo familiäre und nachbarschaftliche Strukturen gegenseitige Hilfe nicht mehr in gewohnter Weise gewährleisten können. Und auch dort, wo staatliche und private Institutionen sich zunehmend aus der Daseinsvorsorge zurückziehen, stärken Sorgende Gemeinschaften das Zusammenleben.

Sorgende Gemeinschaften – was ist das?

Mit professionellem Hilfen können zukünftige Hilfebedarfe nicht vollständig gedeckt werden
Nachbarschaften und bürgerschaftliches Engagement müssen vor diesem Hintergrund neu gedacht werden
Es müssen vor Ort (wo die BürgerInnen leben) Sorge- und Kümmererstrukturen in den Gemeinden etabliert werden.

Warum bedarf es eines Impulses „Sorgende Gemeinschaften“

Hintergrund Pflegebedarfsermittlung 2020:

Wir haben bereits heute einen massiven demografischen Wandel der sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird
für den Landkreis OAL ist bis 2031 eine Zunahme der Pflegebedürftigen von heute ca. 4800 auf ca. 5800 zu erwarten (Steigerung von über 20%)
Auch, wenn es regional Unterschiede in den einzelnen Gemeinden gibt, Pflege, Betreuung, gegenseitige Unterstützung ist und bleibt ein Megathema das alle angeht
Besonders die vielen Pflegenden Angehörigen haben hier eine ganz besondere und wichtige Rolle, sie sind der größte Pflegedienst im Ostallgäu
Sie zu unterstützen, zu entlasten und wertzuschätzen ist einer der absoluten Schwerpunkte in der Pflegebedarfsermittlung 2020 des Landkreises.

Grundsätzlich ruht das Thema aber auf vielen Schultern, der Landkreis kann jedoch Impulse setzen. So werden etwa die Gemeinden durch den Landkreis aktiv dabei unterstützt, seniorengerechte Konzepte zur Gemeindeentwicklung zu erarbeiten und hauptamtliche sog. Quartiersmanager als Kümmerer vor Ort einzusetzen.

An der 3. Pflegekonferenz nahmen rund 70 Fachkräfte und Kommunalpolitiker aus dem Ostallgäu teil - darunter Bürgermeister, Seniorenbeauftragte, Gemeinderäte, Quartiersmanagerinnen sowie Experten aus dem Pflege- und Betreuungsbereich. Es ging um die Stärkung präventiver und ambulanter Strukturen in den Kommunen durch sogenannte „Sorgende Gemeinschaften“, in denen sich die Menschen vor Ort gegenseitig unterstützen.

In noch mehr Gemeinden müssen Nachbarschaften und bürgerschaftliches Engagement neu gedacht sowie Kümmererstrukturen etabliert werden.
Im Ostallgäu gibt es aktuell in zehn Gemeinden ein sogenanntes Quartiersmanagement, das sich um die Belange hilfsbedürftiger Menschen kümmert.

Dr. Ute Stark, Senior Managerin und Prokuristin bei KPMG, hob in ihrem Impulsreferat „Kommunale Ansatzpunkte zur Stärkung ländlicher Pflegestrukturen“ die Bedeutung von „Kümmerern“ in den kreisangehörigen Gemeinden hervor. Weitere Ansatzpunkte zur Verbesserung der Pflegesituation seien, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Fördermittelvergabe strategisch auszurichten. Janet Januszewski vom Caritasverband Kronach berichtete über ihre Erfahrungen als Gemeindeschwester und Quartiersmanagerin. Im Anschluss informierte Anna Kohl vom Landesamt für Pflege über die Fördermöglichkeiten für „Sorgende Gemeinschaften“. Kommunen können sich zum Beispiel die Kosten für die Implementierung von Gemeindeschwestern mit bis zu 70 Prozent für drei Jahre refinanzieren lassen.

Zinneckers Fazit: „Um den Pflegebedarf bei uns weiterhin bestmöglich decken zu können, haben wir als Landkreis bereits mehrere Maßnahmen zur Stärkung der Pflege aufgesetzt. Insbesondere bei den angesprochenen Punkten zur Weiterentwicklung von Unterstützungsangeboten für hilfsbedürftige Menschen sind wir in den Ostallgäuer Gemeinden schon auf einem sehr guten Weg. Aufgrund der Entwicklungen in der Altersstruktur müssen wir aber unbedingt weiter dranbleiben.“

Wie kann die Pflege im ländlichen Raum auch künftig gelingen – und welche Rolle spielen dabei pflegende Angehörige? Mit diesen Fragen hat sich die 4. Ostallgäuer Pflegekonferenz im Landratsamt beschäftigt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Herausforderungen pflegender Angehöriger und wie kommunale Strukturen helfen können, diese besser zu bewältigen.

Mehr als 60 Teilnehmende aus Kommunen, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen und der Ehrenamtsarbeit kamen am 01.07.2025 auf Einladung des Landkreises ins Landratsamt. Im Fokus standen neben dem neuen Senioren- und Demenzkonzept des Landkreises auch praxisnahe Impulse aus Wissenschaft und Selbsthilfe.

In einem Erfahrungsbericht machte die Vorsitzende des Vereins Pflegende Angehörige e. V. durch interaktive Rollendarstellung die vielfältigen Belastungen in der häuslichen Pflege greifbar. Ein weiterer Beitrag zeigte auf, wie pflegende Angehörige durch ein strukturiertes Care- und Casemanagement gezielt entlastet werden können. Unter Care- und Casemanagement versteht man eine koordinierte, individuell ausgerichtete Begleitung, bei der Fachkräfte alle erforderlichen Unterstützungsleistungen abstimmen, organisieren und verlässlich vernetzen. Abschließend wurde in einer Diskussion erörtert, wie pflegende Angehörige ihre Perspektive, etwa durch Beiräte oder Pflegegenossenschaften stärker in den Pflegeprozess einbringen können.

Zinnecker betonte, dass der Landkreis bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen habe – von Quartiersmanagements und Nachbarschaftshilfevereine, über Kontaktstellen Demenz und Pflege bis hin zu Fachstellen für pflegende Angehörige. Die Pflegekonferenz zeige, wie wichtig Austausch und Zusammenarbeit für eine zukunftsfähige Versorgung seien: „Wir haben im Ostallgäu schon viel erreicht, aber die Herausforderungen bleiben groß. Deshalb müssen wir dranbleiben – gemeinsam, vernetzt und mit Blick auf die Menschen vor Ort.“

„Wer einen Angehörigen pflegt, trägt eine enorme Verantwortung – oft rund um die Uhr, mit wenig Unterstützung und Anerkennung“, sagte Landrätin Maria Rita Zinnecker

Es wurde deutlich, dass 86%, mehr als drei Viertel, der Pflegebedürftigen im häuslichen Umfeld versorgt werden. Trotz dieser hohen Zahl stehen die pflegenden Angehörigen häufig am Rand der gesellschaftlichen Wahrnehmung und erleben einen Balanceakt zwischen Verantwortung und Erschöpfung, zwischen Arbeit und Pflege und zwischen familiärer Verpflichtungen und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit. Dabei besteht die Herausforderung darin, Teilhabe und Anerkennung für diese Personen zu gewährleisten. Es wurde betont, dass es für eine nachhaltige Unterstützung mehr braucht als nur eine „helfende Hand“ – vielmehr sind tragfähige Strukturen erforderlich, die den Alltag der Angehörigen erleichtern.

Die Pflegekonferenz hat gezeigt, dass der Austausch von Fachwissen, Engagement und gemeinsamer Zielsetzung dazu beiträgt, das Thema Pflege greifbar und erfahrbar zu machen. Im Mittelpunkt standen nicht nur Zahlen, Konzepte und Versorgungsmodelle, sondern vor allem die pflegenden Angehörigen, die als Heldinnen und Helden des Alltags gewürdigt werden. Diese leisten ihre Arbeit ohne Umhang, aber mit vollem Terminkalender, Einkaufstaschen und Pflegeprotokollen.

Es wurde analysiert, wo im Alltag die größten Herausforderungen liegen – insbesondere im bürokratischen Bereich. Zudem wurde deutlich, dass Angehörige nicht nur mit Informationsmaterialien abgespeist werden sollten, sondern vielmehr strukturierte Unterstützung, Entlastung, Wertschätzung und Sichtbarkeit benötigen. Sorgende Gemeinschaften können dazu beitragen, Pflege nicht in Erschöpfung und Chaos enden zu lassen, sondern in einem solidarischen Netzwerk aus Nachbarschaft, Unterstützung und Zusammenhalt.

Die Veranstaltung war geprägt von ehrlichem Austausch und dem Wunsch nach Veränderung. Es ging um die Erkenntnis, dass jede Person selbst einmal pflegende Angehöriger werden kann, sowie um die Frage, welche Strukturen dann für einen selbst als hilfreich erachtet werden.  Insgesamt zeigte die Konferenz, wie wichtig es ist, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, um die Pflege im häuslichen Umfeld nachhaltiger und menschlicher zu gestalten.

Ausblick auf zukünftige Pflegekonferenzen

Wir freuen uns darauf, auch in den kommenden Jahren spannende und inspirierende Pflegekonferenzen zu veranstalten.
Es wird auf vielfältige Themen, praxisnahe Workshops und wertvolle Networking-Möglichkeiten gesetzt, um eine lebendige und engagierte Gemeinschaft zu schaffen.
Durch diese gemeinsamen Anstrengungen können die Pflegebranche weiter vorangebracht und positive Veränderungen bewirkt werden.
Es bleibt spannend – die Teilnahme wird mit Vorfreude erwartet.

Ostallgäuer Demenzkonzept

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