Landkreis Ostallgäu und Stadt Kaufbeuren starten mit reformierter Schuleingangsuntersuchung

Ab Juli 2026 wird im Landkreis Ostallgäu und in der Stadt Kaufbeuren die reformierte Schuleingangsuntersuchung (rSEU) eingeführt.
Wichtigste Änderungen: Sie findet künftig ein Jahr früher statt und ist umfangreicher. Ziel ist es, mögliche Unterstützungsbedarfe von Kindern frühzeitiger zu erkennen und Familien sowie Fachkräfte dabei zu unterstützen, rechtzeitig passende Förderangebote auf den Weg zu bringen.
Was wurde bei der Schuleingangsuntersuchung reformiert?
Das Konzept der rSEU umfasst zwei wesentliche Aspekte: zum einen die Vorverlegung des Untersuchungszeitpunktes um ein Jahr (die Kinder sind dann zum Zeitpunkt der rSEU zwischen vier und fünf Jahre alt), zum anderen die Erweiterung des Untersuchungsspektrums. Die Untersuchung beinhaltet nun auch die Überprüfung von sogenannten Rechenvorläuferfähigkeiten (Fertigkeit, die Techniken des Rechnens erwerben zu können), die visuelle Wahrnehmung (Fähigkeit, Gesehenes richtig zu verarbeiten) und die Grobmotorik (große Bewegungsabläufe wie Gehen oder Hüpfen). Alle Testbereiche sind an das jüngere Alter der Kinder angepasst. Am Einschulungszeitpunkt und am Einschulungsalter ändert sich nichts.
Ziele der rSEU
Ziel der rSEU ist es, mögliche Unterstützungsbedarfe rechtzeitig zu erkennen und Familien sowie Fachkräfte dabei zu unterstützen, passende Förder- und Hilfsangebote auf den Weg zu bringen. So kann bei Bedarf schon deutlich vor dem Schuleintritt eine gezielte Förderung beginnen, um Kindern und ihren Familien den Start ins Schulleben zu erleichtern. Die rSEU versteht sich dabei nicht als Prüfung, sondern als Chance, frühzeitig Unterstützung zu mobilisieren. Mit der flächendeckenden Einführung in Bayern soll zudem sichergestellt werden, dass alle Kinder möglichst vergleichbare Chancen auf einen erfolgreichen Schulstart erhalten.
Warum wurde die Schuleingangsuntersuchung reformiert?
In den vergangenen Jahren haben sich die Erkenntnisse darüber, wie Kinder gut in die Schule starten können, weiterentwickelt. Heute steht weniger die Frage im Mittelpunkt, ob ein Kind „schulfähig“ ist, sondern vielmehr, welche Unterstützung es für einen gelingenden Übergang vom Kindergarten in die Schule möglicherweise noch braucht. Das Pilotkonzept („Gesundheits- und Entwicklungsscreening im Kindergartenalter“ (GESiK)) wurde federführend vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege initiiert und vom Landesamt für Gesundheits- und Lebensmittelsicherheit (LGL) erfolgreich wissenschaftlich erprobt. Im Juli 2018 hat der Bayerische Ministerrat die flächendeckende Einführung der überarbeiteten Schuleingangsuntersuchung beschlossen. Im Landkreis Ostallgäu und in der Stadt Kaufbeuren wird das neue Konzept ab Juli 2026 unter dem Namen „reformierte Schuleingangsuntersuchung“ eingeführt.
Derzeit findet die Schuleingangsuntersuchung in Bayern zwischen zwölf und drei Monaten vor Schulbeginn statt. Für manche Kinder ist dieser Zeitraum jedoch knapp, um bis zum Schuleintritt noch gezielt gefördert zu werden. Eine frühzeitige beziehungsweise frühzeitigere Erkennung von Entwicklungsbedarfen sowie von Seh- und Hörstörungen eröffnet hier zusätzliche Chancen, rechtzeitig die passende Förderung einzuleiten und Kinder bestmöglich auf den Schulstart vorzubereiten.
Die rSEU wird in Bayern schrittweise an allen Gesundheitsämtern eingeführt. Nach aktuellem Planungsstand soll die flächendeckende Umstellung 2027 abgeschlossen werden.
Welche Kinder nehmen an der rSEU teil?
Ab dem 1. Juli 2026 werden im Landkreis Ostallgäu und in der Stadt Kaufbeuren erstmals Kinder zur reformierten Schuleingangsuntersuchung eingeladen, die zwischen dem 1. Oktober 2020 und dem 30. September 2021 geboren sind. Die entsprechende Einladung zur rSEU im Landratsamt mit weiterführenden Informationen erhalten die Eltern rechtzeitig per Brief vom Gesundheitsamt.